Pulverbeschichtet, eloxiert oder roh: Oberflächen für Aluminiumteile
Wann die gefräste Oberfläche reicht, was die Pulverbeschichtung im eigenen Haus leistet, was Sie über Eloxal wissen sollten – und wie jede Schicht Maße verändert.
Roh gefräst
Eine roh gefräste Oberfläche reicht, wo das Teil geschützt eingebaut ist und niemand auf das Aussehen achtet: Grundplatten im Schaltschrank, Vorrichtungen, Halter hinter einer Verkleidung. Ob das Aluminium dort ohne weitere Schicht auskommt, entscheidet die Legierung. Die Werkstoffdatenblätter bewerten die Korrosionsbeständigkeit in Witterung und Meerwasser sehr unterschiedlich: sehr gut bei EN AW-5754 und EN AW-5083, gut bei EN AW-6060 und EN AW-6082, mäßig bei EN AW-7075 und schlecht bei EN AW-2007.
Die gefräste Fläche trägt außerdem die Spuren des Werkzeugs. Sie verschwinden auch unter Eloxal nicht, denn die Oxidschicht folgt der Oberfläche, aus der sie wächst; unter Pulverlack treten sie zurück.
Auch eine rohe Fläche ist nicht ganz ohne Schutz: Aluminium bildet an der Luft von selbst eine dünne Oxidhaut, die das Teil schützt. Sichtbare Flächen können dadurch mit der Zeit ihr Aussehen ändern, an der Funktion ändert das nichts. Wo es auf ein gleichmäßiges Bild ankommt, ist eine Beschichtung die bessere Wahl als die rohe Fläche.
Quellen: Werkstoffdatenblätter thyssenkrupp Materials Services, jeweils S. 1 (Anwendung); GLEICH Aluminiumwerk, Technische Information Anodisieren, S. 2.
Pulverbeschichtet im eigenen Haus
Pulverbeschichten gehört zu unseren eigenen Leistungen, und Aluminium ist einer der Werkstoffe, die unsere Anlage beschichtet – in allen RAL- und NCS-Farben. Das Pulver wird elektrostatisch aufgetragen und bei rund 180 °C eingebrannt; vorher durchläuft das Teil eine chromatfreie Vorbehandlung in mehreren Zonen.
Für ein Frästeil folgt daraus eine Regel: Was die Einbrenntemperatur nicht verträgt – Klebungen, eingepresste Kunststoffteile, Dichtungen –, kommt erst nach dem Beschichten dazu. Flächen, die blank bleiben sollen, müssen vor dem Beschichten abgedeckt werden; wie das bei Ihrem Teil geschieht, klären wir im Angebot. Wie die Anlage arbeitet, steht unter Pulverbeschichtung der Evotec GmbH.
Zwei weitere Punkte betreffen die Konstruktion. Pulverlack leitet nicht: Wo ein Teil geerdet werden soll, bleibt eine Kontaktfläche blank oder wird nach dem Beschichten freigelegt. Und an scharfen Kanten wird der Lack beim Einbrennen dünner; gebrochene oder leicht verrundete Kanten halten die Schicht zuverlässiger. Beides lässt sich beim Fräsen schon berücksichtigen, wenn es vor Fertigungsbeginn feststeht. Wer Kanten und Kontaktflächen erst nach dem Beschichten festlegt, muss nacharbeiten, und das ist bei lackierten Flächen aufwendiger.
Eloxiert: was Sie wissen sollten
Eloxal ist keine aufgetragene Schicht, sondern umgewandelter Werkstoff: Im Säurebad wird die Oberfläche des Teils elektrolytisch zu Aluminiumoxid. Nach der technischen Information eines Halbzeugherstellers wächst eine Eloxalschicht etwa zu zwei Dritteln in das Teil hinein und zu einem Drittel nach außen, eine Harteloxalschicht etwa je zur Hälfte. Wie die Schicht aussieht, bestimmt die Legierung: Für dekoratives Eloxal eignen sich nach den Datenblättern von den sechs Legierungen der Wahlhilfe nur EN AW-5754 und EN AW-6060 in Eloxalqualität; die Noten für technisches Eloxal stehen unter Eloxal-Eignung der Legierungen.
Drei Hinweise aus derselben Quelle. Harteloxal platzt an scharfen Kanten leicht ab; Kanten brauchen deshalb einen Radius, als Faustformel 1,6 mm bei 25 µm Schicht, 2,4 mm bei 50 µm und 3,2 mm bei 75 µm. In Nuten und Bohrungen kann die Schicht dünner ausfallen. Und Eloxalbetriebe arbeiten mit den Kennungen der europäischen Eloxal-Vereinigung EURAS, etwa E0 für die Industrieeloxierung ohne eigentliche Vorbehandlung, E6 für chemisch mattiert, EV1 für naturfarben und EV6 für schwarz.
Eloxieren, Härten und Beizen gehören nicht zu unseren eigenen Leistungen – sprechen Sie uns an, wenn Ihr Teil das braucht.
Quellen: GLEICH Aluminiumwerk, Technische Informationen Anodisieren (S. 3–4) und Hartanodisieren (S. 2–3), 30.10.2014; Werkstoffdatenblätter thyssenkrupp EN AW-5754 und EN AW-6060.
Beschichtung und Maß
Jede Schicht verändert das Maß der Fläche, auf der sie sitzt. Pulverlack liegt vollständig auf: Eine beschichtete Bohrung wird enger, ein beschichteter Zapfen dicker, und in einem Gewinde füllt der Lack die Flanken. Eine Eloxalschicht wächst zum Teil in den Werkstoff hinein; auch sie verschiebt Durchmesser und Passungen, nach außen nur weniger stark.
Deshalb bleiben Passungen, Gewinde, Dicht- und Kontaktflächen oft frei: Sie müssen abgedeckt oder erst nach dem Beschichten auf Maß gebracht werden. Für ein Teil, das gefräst und beschichtet wird, gehört in die Anfrage, welche Flächen blank bleiben – je früher das feststeht, desto früher lässt sich im Angebot klären, wie diese Flächen geschützt und in welcher Reihenfolge gefräst, abgedeckt und beschichtet wird. Das gilt auch für Passungen, die erst im montierten Zustand zusammenwirken: Beide Partner tragen ihre Schicht auf, und ein Spiel, das roh stimmt, kann beschichtet verschwinden. Wie Gewinde in Aluminium ausgelegt werden, steht unter Gewinde in Aluminium.
Stand: 26.09.2026
Welche Oberfläche bekommt Ihr Teil?
Nennen Sie in der Anfrage Oberfläche, Farbton und die Flächen, die blank bleiben sollen. Für Eloxal sprechen Sie uns vorher an – wir sagen Ihnen, was das für Legierung und Ablauf bedeutet.